Was tun?

Es herrscht – zumindest offiziell – allgemeines Entsetzen, dass es die AfD in den Bundestag geschafft hat. Ehrlich gesagt wundere ich mich über dieses scheinheilige Gezeter. Nicht, dass ich es gut finde, dass es nun in unserem Bundesparlament Abgeordnete mit solch gruseliger Weltsicht und mit einem noch gruseligerem Parteiprogramm gibt. Aber der Einzug der AfD in den Bundestag geschah doch mit Ansage, ebenso wie der Absturz der SPD! Die heute die betroffen Entsetzten geben, sind doch die Geburtshelfer, ja die Erzeuger diese Gewächses. Keiner der Zeterer sagt doch offen, warum es diese rückwärtsgewandte Partei geschaft hat, nahezu 13% der Stimmabgaben in ihre Tasche zu stecken. Attac hat darum recht, wenn sie in ihrer Kampagne Alternativen zum Rechtsruck stärken! schreiben:

Das Ergebnis der Bundestagswahl ist Ausdruck davon, wie wenig Vertrauen viele Menschen überhaupt noch in die Möglichkeit politischer Veränderung und Gestaltung haben. Jetzt kommt es darauf an, den Menschen eine Perspektive der politischen Veränderung zu eröffnen, jenseits völkisch-nationaler Positionen.
Quelle: alternativen-zum-rechtsruck

Deutlicher sagt es Horst Kahrs, der Wahlforscher der Rosa-Luxemburg-Stiftung:

Der Erfolg der AfD resultiert aus der unbeantworteten Verunsicherung über die Gestaltungskraft von demokratischer Politik und den Entfremdungserfahrungen zwischen der Welt der Politik und der eigenen Alltagswelt.
Quelle: Die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag am 24.9.2017 – RLS

Es geht um nichts mehr, als um eine – nahezu revolutionäre – Veränderung unserer Politik. Es geht darum, dass die Menschen in unserem Lande ihre Souveränität zurück gewinnen! Das heißt, dass sie wieder in Autonomie und Selbstbestimmtheit ihr Leben organisieren können und nicht im Bewußtsein eigener Wirkungslosigkeit verharren. Denn dahin haben die heute so entsetzt tuenden politischen Kräfte die Menschen gebracht. Weil sie dann so leicht beherrschbar sind.

Als Ergänzung zu diesen Bestandaufnahmen empfehle ich die Lektüre von Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt und das Interview KenFM im Gespräch mit: Daniela Dahn („Wir sind der Staat!“)

Geliebtes Feinbild

Schon seit geraumer Zeit heben sich die Unionsparteien dadurch hervor, dass sie eher aufeinander eingedroschen haben, als sich um gemeinsame Politik oder den politischen Gegner zu kümmern. So machte sogar das Bild eines gestandenen »Ehekrachs« die Runde.

Nach dem angekündigten Fernbleiben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim anstehenden CSU-Parteitag wird CSU-Chef Horst Seehofer voraussichtlich auch nicht beim CDU-Parteitag Anfang Dezember reden. […] CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt misst dem Fernbleiben Merkels vom Parteitag keine große Bedeutung bei. So lange nicht alle Streitpunkte etwa bei der Flüchtlingsobergrenze geklärt seien, sei die Abwesenheit der Kanzlerin »die bessere Variante«, sagte Hasselfeldt der »Passauer Neuen Presse«.
Quelle: In der Union hängt der Haussegen schief | Neues Deutschland 31.10.2016

Nun die CSU mit ihrem Vorsitzenden Seehofer zum Glück endlich einen Feind außerhalb der Union ausgemacht, mit dem auch die Rettung aus dieser Misere in Sicht ist.

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat die beiden Unionsparteien ungeachtet anhaltender Differenzen in der Zuwanderungspolitik zum gemeinsamen Kampf gegen ein rot-rot-grünes Bündnis auf Bundesebene aufgerufen. Das sei der Kern der politischen Auseinandersetzungen im Jahr 2017, sagte Seehofer am Montag vor einer CSU-Vorstandssitzung in München.[…] Ziel der Union müsse sein, bei der Bundestagswahl „näher an 40 Prozent als an 30 Prozent“ zu landen. „Das wäre die beste Prävention gegen ein Linksbündnis: eine starke CDU/CSU“, betonte er. Gerade die CSU sei „das Bollwerk gegen eine mögliche Linksfront“.
Quelle: CSU-Chef Horst Seehofer bläst zum Kampf gegen „Linksfront“ | FAZ 31.10.2016

Damit kann Seehofer nun von den inneren Zerwürfnissen ablenken und die Truppen der Konservativen einen. Ganz im Stil der Adenauerjahre und ihrer Panikmache vor den Kommunisten.